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    <title>Learn how to fly</title>
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    <description>Mein Blog mitten aus dem Leben</description>
    <language>ru</language>
    <lastBuildDate>Fri, 16 Oct 2026 12:48:34 +0300</lastBuildDate>
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      <title>Ich verliere mich in Venedig, um mich zu finden</title>
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      <pubDate>Fri, 20 Feb 2026 13:40:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Wann hast du dir zuletzt erlaubt, nicht zu wissen, wohin es geht?</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Ich verliere mich in Venedig, um mich zu finden</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6465-6330-4331-b436-353531336632/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Keine geraden Strassen, kaum Schilder, dafür Wasser, das alles trennt und verbindet zugleich. Ich verliere mich hier regelmässig, obwohl ich eigentlich einen ziemlich guten Orientierungssinn habe. Jedes Mal frage ich mich kurz, ob ich etwas falsch mache, bis ich merke: Vielleicht ist genau das hier die eigentliche Einladung. Denn Venedig mit seinen kleinen verwinkelten Gässchen zwingt nichts in eine Linie. Es lässt dich gehen, wie du gehst und genau das macht etwas mit mir!<br /><br /><strong>Wann hast du dir zuletzt erlaubt, nicht zu wissen, wohin es geht?</strong><br /><br />Reisen ist für mich immer auch ein Spiegel. Kaum bin ich raus aus meinem Alltag, wird sichtbar, wie sehr ich sonst funktioniere, wie oft ich mich entlang von Plänen bewege, Ziele verfolge, Erwartungen erfülle und Dinge „richtig“ machen will. Es spiegelt mir auch wie selten ich mir erlaube, einfach meinem Körper, meiner Neugier, diesem leisen inneren Ja, das nicht begründet werden muss, zu folgen und mich treiben zu lassen.<br /><br />Es gibt ihn diesen anderen Teil in mir. Er ist nicht laut, aber er ist hartnäckig. Er will raus aus dem engen Takt. Er will mehr Weite, viel mehr Schönheit und mehr Leben, das nicht optimiert werden muss. Er will kleine Ausflüge, kleine Pausen, und kleine verspielte Dates mit mir selbst. Klar, direkt daneben steht die gut trainierte Stimme, die sagt: „Jetzt nicht.“ „Später.“ „Erst wenn alles erledigt ist.“<br /><br />Zwischen diesen beiden Polen in mir entsteht etwas Spannendes: Es entsteht Reibung und Ziehen, und hier wird es interessant, weil ich merke, wie sehr ich mich selbst immer wieder zurückhalte, ohne es überhaupt bewusst zu entscheiden.<br /><br />Venedig spielt mir genau in diese Spannung hinein. Ich beginne, anders zu reisen. Ich plane weniger. Ich schreibe, wenn es mich packt. Ich lasse mich durch Gassen treiben, ohne Ziel. Ich gehe in Cafés oder Gelaterias, weil sie mich anziehen, nicht weil sie auf einer Liste stehen. Ich sitze am Wasser, schaue, atme und bin einfach da – ohne etwas zu leisten. Und plötzlich fühlt sich das nicht wie „nichts tun“ an, sondern wie ein Zurückkommen zu mir selber, überhaupt nicht produktiv im klassischen Sinn, aber echt tief nährend, zart und wild.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Waldrandzone oder die Magie des Dazwischens</title>
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      <pubDate>Wed, 15 Apr 2026 12:40:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Wie gut kannst du in Zwischenräumen sein? </description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Waldrandzone oder die Magie des Dazwischens</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3364-3266-4138-b437-646662346366/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich befinde mich gerade hart im Dazwischen. Noch drei Wochen bis zum offiziellen Geburtstermin stehe ich irgendwo zwischen meinem alten Ich und meinem neuen Ich, meinem alten Leben und meinem neuen Leben. <br /><br />Ich stelle mir gerade sehr viele Fragen: Was will ich? Was ist mir jetzt noch wirklich wichtig? Wer will ich als Mutter sein? Wie will ich die letzten Tage oder Wochen der Schwangerschaft verbringen? Wie bringe ich die Schwangerschaft in einen runden Abschluss, damit ich bereit bin für die neue Phase? <br /><br />Ich merke ich werde ruhiger, und zurückgezogener, die Energie richtet sich inwärts, ich sammle Kräfte für die Geburt, meine Nächte sind wild und ich bin viel wach, mein Körper ist ein Wunder und schwer und träge. Dennoch liebe ich gerade die Sinnlichkeit, die die Schwangerschaft in mein Leben bringt. Gleichzeitig ist da auch langsam eine gewisse Unruhe, und fragen rund um die Geburt und das Wochenbett sind präsent. Wie wird das alles, wie werde ich damit umgehen können, wer werde ich sein? Aber da ist auch viel Vorfreude, diese kleine Wesen endlich endlich richtig kennenlernen zu dürfen und auch mich damit nochmals neu gebären zu können.<br /><br />Ich befinde mich also in einem Zwischenzustand und in vielen Veränderungen. Das braucht auch Mut und ist <br />selten nur bequem. Dieser Zustand des Nicht-genau-Wissens, wie es weitergeht, im Aushalten, im Suchen, im tastenden Vorwärtsgehen ist ebenso spannend wie anstrengend und doch ist es genau dieser Raum, in dem aus meiner Erfahrung die eigentliche Magie entsteht.</div><div class="t-redactor__text">Ein schönes Bild dafür ist für mich die Waldrandzone. Sie ist ein Ort, an dem Gegensätze nicht hart aufeinandertreffen, sondern ineinander übergehen: Schutz und Offenheit, Wald und Wiese, Altes und Neues vermischen sich. Der Waldrand ist kein klar abgegrenzter Raum, sondern ein lebendiger, dynamischer Übergang voller Spannung. Gerade deshalb ist er ökologisch so besonders reich: ein Lebensraum mit hoher Artenvielfalt, einem eigenen Mikroklima und einer Dichte an Leben, die in klar getrennten Räumen so nicht existiert.</div><div class="t-redactor__text">Für mich bedeutet eine Revolution anzuzetteln, zu lernen, in solchen Zwischenräumen zu sein – Räume auszuhalten, die keine schnellen Antworten liefern und sich nicht eindeutig anfühlen, die nicht einfach schwarz oder weiss sind. In einer Gesellschaft, die so stark auf Klarheit, Produktivität und Ergebnis ausgerichtet ist, ist das oft schwierig. Allzu oft vergessen wir, wie wesentlich genau diese Phasen des Dazwischens eben sind: Zeiten der Regeneration, der Stille, des Experimentierens, des unsicher Seins, des Ausprobierens, des Liebens und des Loslassens. Zeiten, in denen wir immer wieder neu beginnen, in denen etwas in uns entsteht, während anderes gehen darf. Aus meiner Erfahrung zeigt sich oft erst im Rückblick, dass gerade diese Übergänge und Zwischenräume jene Orte waren, an denen unsere grösste Kraft gewachsen ist und unsere tiefste Weisheit entstehen konnte. Drum bin ich gespannt auf dieses neue Abenteuer, das nun auf mich wartet. Wie es mir dabei ergeht, kannst du in nächster Zeit hier auf diesem Blog lesen... </div><div class="t-redactor__text"> </div>]]></turbo:content>
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      <title>Sinnlichkeit ist kein Luxus!</title>
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      <pubDate>Mon, 23 Mar 2026 12:08:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig lebendig gefühlt?</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Sinnlichkeit ist kein Luxus!</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6532-6463-4465-b633-323138363138/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">„Du bist richtig so wie du bist. Sich zu erlauben, lebendig zu sein in einer Welt, die uns zur Gefühllosigkeit erzieht, ist vielleicht die grösste denkbare Rebellion.“ – Emilia Roig in <em style="color: rgb(227, 182, 244);"><a href="https://www.kjona.eco/products/emilia-roig-lieber-sohn-oder-so-rettest-du-die-welt" style="color: rgb(227, 182, 244);">Lieber Sohn oder so rettest du die Welt</a></em><br /><br /><strong>Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig lebendig gefühlt?</strong><br /><br />So oft bewegen wir uns im Funktioniermodus, zwischen Routinen, zu wenig Schlaf, hoher Arbeitsbelastung und einem endlosen Strom an To-dos. Eigentlich spürst du vielleicht längst: Du möchtest dich wieder lebendiger fühlen, mehr bei dir ankommen, mehr Verbindung spüren und trotzdem gewinnt im Alltag fast immer das Dringende. Immer ist da noch etwas, das wichtiger scheint als du selbst. Das macht, was mit uns! <br /><br />Für mich ist Lebendigkeit untrennbar mit Sinnlichkeit verbunden und Sinnlichkeit ist verdammt nochmal kein Luxus. Sie ist kein „nice to have“, kein Extra für freie Tage oder irgendwann bessere Zeiten. Sie ist eine Lebensquelle. JETZT!. Etwas Ursprüngliches, etwas, das uns zurückholt in den Körper, ins Spüren, ins Jetzt.<br /><br />Und ja – im Sinne von Emilia Roig ist das auch politisch, weil es in einer Welt, die uns auf Funktionieren, Härte und Dauerleistung trimmt, fast schon ein Akt von Rebellion ist, wieder zu fühlen.<br /><br />Mein 3-wöchiger E-Mail-Onlinekurs <strong>„Zart &amp; wild“</strong> ist genau aus diesem Bedürfnis heruas entstanden: eine Einladung, deine Sinnlichkeit im Alltag durch feines Wahrnehmen, langsames Spüren und ehrliches Lauschen auf deinen Körper ganz konkret, alltagstauglich und ohne zusätzlichen Druck oder lange To-do-Listen wieder zu beleben.<br /><br />Mein Kurs ist: <br />Zart. Weil du dich dir selber wieder annäherst.<br />Wild. Weil du dich dabei auch ein Stück gutes aus alten Mustern löst.<br /><br />So funktioniert er:<br />✨ über drei Wochen erhälst täglich einen Video-Impuls von mir direkt per Email in dein Postfach<br /><br />Der Online-Kurs hilft dir dabei, wieder mehr deine sinnliche Präsenz, Lebensenergie und Körperbewusstsein im Alltag zu erleben, anstatt nur funktional und leistungsorientiert zu funktionieren.<br /><br />Du kannst ihn jeder Zeit buchen, Kostenpunkt: 77 CHF.  <a href="https://revolution-studio.ch/zartundwild" style="color: rgb(227, 182, 244);">Hier</a> gehts zu allen Detailinfos.</div>]]></turbo:content>
    </item>
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      <title>Das Baby ist da!</title>
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      <pubDate>Tue, 04 Aug 2026 11:04:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Einblicke in die ersten Wochen</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Das Baby ist da!</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3162-3139-4234-b638-373931303231/IMG_3078.JPG"/></figure><div class="t-redactor__text">Das Baby ist da! Die Geburt in einer Jurte im Emmental war ein wahres Abenteuer sondergleichen, selten habe ich so was erlebt, wie ein LSD Trip hoch zehn, akrobatisch mit Handstand, weil das Baby feststeckte und mit tief spirituellen Einsichten. Das Kind nennt mir seinen Namen während der Geburt, und nein es ist nicht einer dieser Namen, die wir Wochen vor der Geburt hin und her wälzten. Er will Anton heissen, ein lustiger Namen solls bitte sein. Und so ist es dann auch.<br /><br />Klein Anton, oder Toto wie wir ihn auch nennen, ist da. Die ersten Wochen sind intensiv, ich sterbe tausend Tode, mein altes Ich verabschiedet sich und rebelliert, mein altes Leben ist passé. Sobald der Kleine schläft, will der Grosse etwas, ich werde zum Übermensch, und ich wusste nicht, das ich mit so wenig Schlaf, doch noch so gut funktionieren kann, Hormonen sei dank. <br /><br />Gut: Er schläft gut, er trinkt gut, ist vergleichsweise (wehen den Vergleichen!) wohl ein Anfängerbaby, bis jetzt zu mindest. Halleluja, wie sonst würde ich das schaffen? Aber seit der Geburt weiss ich, ich kann Kräfte aktivieren die Jenseits sind von gut und böse und bin mit einer Klarheit ausgestattet, die keine Kompromisse eingeht. Ich weiss, was ich will. Ich weiss, wer ich bin.<br /><br />Und trotzdem bin ich Mensch. Einfach nur Mensch, und da ist Ambivalenz und Gleichzeitigkeit. Da ist die bleierne Müdigkeit, die tiefe Weisheit meines Körpers, die übergrosse Liebe, die ich so bisher noch nicht gekannt habe und die Sehnsucht nach meinem alten Leben: Da ist die Vorfreude auf das neue, noch unbekannte, die Überforderung, die Tränen und die Wutanfälle, da ist aber auch die wunderbare Stille der Nacht und die Akzeptanz, das 5 Minuten Me time meine neue Realität ist und sich auch das wieder verändern wird. <br /><br />Da ist mein immer viel gleichzeitig wollen, hochhinaus, da ist mein Image, das bröckelt und meine Ego, das einmal krass durchgeschüttelt wird, als der Kleine 4 Wochen nach der Geburt einen Infekt kriegt und nicht mehr gut trinkt. Ich kann das Leben nicht kontrollieren und ich lasse demütig los... (Der Kleine ist mittlerweilen wieder auf Trab, und nimmt fleissig zu zum Glück)<br /><br />Irgendwann weiss ich, tschüss altes Leben! Mein altes Ich und das alte Leben immer auf Achse geht so nicht mehr, ich hab weniger Ressourcen und diese fliessen gerade vor allem in das Kind, und ich realisiere, dass das ganz grosse Glück gerade im ganz Kleinen (oder vor allem im ganz grossen 3m 20 Familienbett) liegt, wenn wir alle nachts neben einander liegen wie in einem Hüttenlager in den Bergen. In diesen Momenten, bin ich happy und müde gleichzeitig, von all dem Dazwischen und all dem Sein, dem Neu finden, dem mich nicht wieder erkennen und dem gleichzeitig näher an mir selber dran sein als jemals zu vor.<br /><br />Du willst meinen nächsten Blogbeitrag nicht verpassen? Schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
    </item>
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      <title>Endlich Zeit für mich!</title>
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      <pubDate>Thu, 13 Aug 2026 23:41:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Der ganz normal Wahnsinn des Alltags</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Endlich Zeit für mich!</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3066-3939-4739-b761-666631363438/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Achtung das Kind schläft!</div><div class="t-redactor__text">Endlich Zeit für mich. Its me time, denke ich. Doch ganz so einfach ist es nicht, weil:</div><div class="t-redactor__text">Me time ist im Moment: alles, was mit umgeschnallten Baby stehend so möglich ist – und ich bin kreativ geworden in den letzten Monaten, das kannst du mir glauben. Ich schreibe im Stehen, manchmal einhändig während dem Stillen, was ätzend ist, manchmal aber auch von gemeinen kleinen Legoteilchen des Grossen geplagt, die sich in meine Fusssohlen bohren, was noch ätzender ist. (Haushalt hat neu Prio 10.) Ich mache alle Rückbildungsübungen, die ich irgendwie halbwegs stehend schaffe stehend, ich meditiere im Stehen, Esse im Stehen und ja, ich mache eigentlich so ziemlich alles im Stehen, ausser schlafen, dass mache ich halb aufrecht auf dem Sofa liegend, so schaffe ich mittlerweile sogar einen kleinen Powernap tagsüber.<br /><br />Anders als umgeschnallt schläft der Kleine gerade nicht! Ausser nachts!!!! und das ist GOLDWERT: Er schläft wie ein Jackpot Baby denke ich, vor allem dann, wenn ich jede Nacht ein anderes Baby draussen im Innenhof schreien hören, und ich vor lauter Mitgefühl mit dem Menschen, der es gerade rumträgt, trotzdem nicht schlafen kann. Hormone Ahoi!<br /><br />Apropos Me Time, die hat sich ebenso drastisch reduziert in den letzten Monaten wie die Regentage in diesem Sommer. Ich bin froh, wenn ich zwischen Stillen (mein neuer Fulltime Job), Abpumpen (mein zweiter Fulltime Job! Ein bisschen Freiheit zwischen drin muss sein, auch für die eins zwei Arbeitstermine, die ich wieder habe – wie bitte soll man nach 16 Wochen wieder voll arbeiten liebe Schweizer Politik?! Und wie unglaublich privilegiert ich bin, es nicht tun zu müssen), Windeln wechseln, Baby rumtragen, Baby bespassen, nicht vergesse selber etwas zu essen. Bevor es wieder von vorne los geht: Stillen, Abpumpen, Milch kühl stellen, Windel wechseln, Baby in den Schlaf wiegen, eine Zeile schreiben, Kind 1 trösten, mit Baby spielen, zweite Blogzeile vom Tag schreiben, Mittagessen kochen, Stillen. Was schon wieder? Ja, schon wieder, auch wenn er grad erst getrunken hat.<br /><br />Ich muss ganz neue Routinen finden. Ich fange an den Blogtext laut vor mich herzusagen und mit Diktierfunkton aufzuschreiben… (Neuer Life Hack, I tell you!). Ich brauche neue Ideen, auch wie ich mein Nervensystem regulieren kann ,weil ausgiebige Yogastunde und morgens meditieren ist nicht mehr, adé schön wars, dafür Mandalas malen im Stehen!, Singen im Stehen! (Nicht mehr unter der Dusche, weil neuer Luxus!), Atemübungen im Stehen und Tanzen wie früher im Stehen und mein neues Highlight., Wenn er nicht schläft , liegt er nämlich neuerdings gerne auf dem Boden und schaut mir lachend zu, fasziniert von seinen ultrakleinen Füsschen, die er, sicher bin ich zwar nicht, nicht als seine eigenen erkennt und mittanzt (bilde ich mir ein)<br /><br />Der neue (Familien-)alltag ist ultra intensiv: Zwischen Patchwork Organisation, zwei Selbstständigkeiten (meiner und die meines Partners), holprigem Kindergartenstart vom Grossen, und schmerzenden Schultern vom ständigen Tragen des Kleinen, fühlen sich die seltenen Minuten alleine auf dem WC wie der krasse Überluxus und die ultimative Me time an.<br /><br />Und ja er ist ein zufriedenes Baby, muss ich sagen, beklagen kann ich mich nicht, ein Anfängerinnenbaby sozusagen: Zwischen all den kleinen und grossen To dos (ein Umzug steht vor der Tür) grinst mich der Kleine an und die Welt ist wieder in Ordnung, auch wenn ich mich in anderen Momenten am liebsten auf dem Mars beamen möchte. Was angesichts der aktuellen Klimalage auch durchaus bald ernster gemeint sein könnte, als es mir lieb ist. (Dazu bald mehr in einem weiteren Blogbeitrag!)<br /><br />Langsam aber sicher wird mir bewusst DAS IST mein neues Normal, wenig me time, schmerzender Körper von der krassen Beanspruchung auf jeder Ebene, maximale Verliebtheit (meistens) und echte Dankbarkeit, wenn ich meinen Partner zwischen Legos, Dinosauriers und Windeln zwischendurch mal zu Gesicht kriege für einen Kuss.<br /><br />Wer bin ich, wo fange ich an, wo höre ich auf? Wer sind wir neu als Paar und als Familie? Diese Fragen umtreiben mich gerade immer wieder, aber im Gegensatz zu früher, wo ich wirklich stundenlang Zeit mich mit solchen Fragen tiefgehend auseinanderzusetzten, gebe ich mich dem Leben hin und lebe langsam, wie Rilke es einmal schön sagte, in die Antworten hinein, ganz nach dem Motto: Fail Forward, Trail and Error, Leben halt, maximal lebendig mit allem, was Mensch sein eben ausmacht und vielen ersten Malen. Ich entdecke mich neu und lasse mich überraschen, was heute auf dem Programm steht…<br /><br />Was ich sicher weiss: Im nächstern Blogbeitrag steht die 3-Wöchige Sommerferien Reise mit Büsli, Baby, Kind, Partner, seiner Exfrau und einer befreundeten Familie auf dem Programm. Was ich noch nicht weiss, wie ich ihn schreibe: im Stehen vielleicht!<br /><br />Du willst meinen nächsten Blogbeitrag nicht verpassen? Schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Freiheit mit Baby. Juhe!</title>
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      <pubDate>Thu, 20 Aug 2026 16:55:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>10 Tage Frankreich mit Büsli </description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Freiheit mit Baby. Juhe!</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6262-3866-4661-a166-386531336631/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Here we go. Es ist 16.15 Uhr und wir fahren nach dreitägigem Packmarathon (#living with kids, but living the dream (haha)) endlich los. Baby und ich hinten, Papa vorne. Richtung Frankreich. Alles perfekt getimet, mit Stillen und Schlaf.<br /><br />Wir haben 24h für 1000 Kilometer, dann holen wir die Exfrau und das Kind am Flughafen in Biarritz ab. Sollte machbar sein. Woran ich gleich wieder zweifle, weil wir noch in der Tiefgarage anhalten müssen, weil Baby schon wieder Hunger hat. Das fängt ja gut an.<br /><br /><strong>Spulen wir kurz zurück.</strong> Vier Monate zuvor: ich so richtig schwanger und so richtig verängstigt, meine Freiheit zu verlieren. 5 Wochen Sommerferien mit Kind und einem neuen Baby? Das wird eher wild. Also spannen wir mit der Exfrau zusammen. Sie klickt ein, wir buchen kurzerhand 10 Tage Campingferien zu fünft. Meine innere Abenteurerin ist befriedigt und jubelt: Freiheit mit Kind, Juhe! Meine innere Skeptikerin bleibt auch noch als wir längst auf dem Campinplatz sind skeptisch. Lustigerweise sind wir alle ein bisschen unsicher, stellt sich raus. Aber kommt schon irgendwie gut, ist das Motto. Und Ambivalenz ist wohl DAS neue Mama-Gefühl in meinem Leben.<br /><br />Vier Stunden später in Genf entscheide ich mich für den Notfallplan Nuggi, Vorher noch nie gegeben, spuckt Baby ihn kotzend mehrmals wieder aus. <em>(Notiz an mich selbst: Testphase wäre dienlich gewesen.) </em>Also Finger in den Mund, Endlosschlaufe an selbsterfundenen Kinderliedern singen und Stillen (ja,nach Pause 3 auch Mal während dem Fahren aka Rabenmutter, i know) und er schläft dann doch noch ganz gut. Wir sind endlich da - Die Belohnung ist gross: Meerluft in meinen Haaren.Und auch die anderen zwei holen wir rechtzeitig ab.<br /><br /><strong>Tag 1–2: Ankommen. Irgendwie: </strong>Wir haben die Reise alle irgendwie überlebt, sind übernächtigt und versuchen, uns in dieser neuen Familienkonstellation einzufinden.<strong> </strong>Langsames Ankommen. Es flowt.<strong> </strong>Am nächsten Tag fühlen sich die Ferien schon etwas weniger nach Ferien an: Kochen, Abwaschen, Aufräumen, Ausflug packen, Ausflug auspacken, Kind versorgen, Baby versorgen, Einkaufen.<strong> </strong>Und immer wieder die grossen Fragen des Patchwork-Lebens:<strong> </strong>Wer ist wann im Lead? Wer kocht? Wer isst was – und was nicht? Wer hat welche Bedürfnisse?<strong> </strong>Der ganz normale Patchwork-Orga-Wahnsinn halt. Ja, Es ist eine ziemliche Nummer, auf so engem Raum alle zusammenzubringen und dafür machen wir es echt gut.<br /><br /><strong>Tag 3: Alles läuft. Fast. </strong>Die befreundete Familie kommt und damit auch der beste Freund vom Kind. Grosses Wiedersehen, alle super happy.Plötzlich flowen wir ohne grosse Absprachen, bekochen uns gegenseitig und es fühlt sich leicht und schön an. Dafür entdecken ich ein anderes Problem, das ich irgendwie verdrängt haben (ich sagte doch Italien wär besser!): Vegan essen in Frankreich ist der Hass. Als Vegetarierin bin ich schon öfters an den Anschlag gekommen. Jetzt hat Baby eine Kuhmilchproteinallergie und plötzlich bleibt eigentlich nur noch Selberkochen oder Pizza mit Tomatensosse und nichts.Für mich ein gewisser Frust, weil ich Essen liebe und Hunger ziemlich direkt auf meine Stimmung schlägt. Schwamm drüber. Nach einem geilen Einkauf steigt die Laune wieder.<br /><br /><strong>Tag 4–5: Meer, Pool und das Autositz-Dilemma</strong><br />An Tag 4 meint das Kind, dass es das Meer eigentlich gar nicht mag. WHAT?!? Wieso sagt mir das niemand oder wieso erst jetzt? Ab da jeden Tag derselbe Kampf: Meer oder Pool? Irgendwann einigen wir uns: Verhandelt wird nicht mehr. Wir gehen ans Meer. Jeden Tag.Auch wenn wir uns jedes Mal gefühlte zwei Kilometer vom Wasser entfernt installieren müssen. Was wir aber auch machen und darum ist die Patchworkkombo super: Wir teilen uns auf. So kommen alle auf ihre Kosten. Und wir surfen, bauen Sandburgen, Picknicken am Strand, erfrischen uns im Meer, sogar das Baby wagt es. <br /><br />An Tag 5 wird das Autositz-Dilemma zum Nervthema. Dumm haben wir vier Sitze im Auto und sind fünf Personen. Der neue Beruf von Papa: Taxifahrer. Kaum sind Kind und Exfrau endlich am Strand, wollen Baby und ich wegen der Hitze wieder nach Hause (siehe Tag 7).Super ätzend. <em>(Notiz an mich selbst: Nächstes Mal mobiler sein für alle GLEICHZEITIG.)</em><br /><br /><strong>Tag 6–8: Ferien von den Ferien</strong><br />An Tag 6 merke ich, dass das Ganze mit Baby schon ziemlich wild ist. Baby allein ist Out of Comfort Zone. Dann noch Ferien, weit weg, Hitze, Patchwork, Meerhass und französische Küche. Definitiv stressig. Also entscheide ich: einen Gang zurückschalten und geniessen, so gut es geht. Ich brauche Ferien von den Ferien. Weniger wäre auch mehr gewesen. Zum Beispiel ein Schweizer Bergsee. Danach ist man immer klüger, nicht? Andererseits: Salzgeschmack auf der Haut, Freiheitsgefühl und Abenteuer, neue Ecken entdecken – i love it! <br /><br />Am nächsten Tag 38 Grad. Und es wird noch heisser. Meine Sonnenbrandparanoia mit meiner quasi Gingerhaut nervt alle. Baby, Strand und Sonnenbrandphobie sind definitiv nicht die beste Kombo. Wir verbringen den Tag in der Lobby vom Campingplatz, dem einzig klimatisierten Ort. Die Zeit fliesst langsam und zäh vor sich hin und wir nerven uns alle gegenseitig. Einfach weil HEISS. Und dann kommen die Kakerlaken. Es wimmelt von Kleintieren, der Boden ist verstaubt, Dreck überall. Je länger wir auf dem Campingplatz sind, desto mehr fühlt es sich nach Survival Camp an. Wir haben den Campkoller. Unter diesen Umständen hilft nur noch Humor. Irgendwie schaffen wir es, ihn zu aktivieren.<br /><br /><strong>Tag 9: Der ultimative Endgegner</strong><br /><br />Pooltag. Wir erleben das Trolley Problem an eigener Haut.<br />Papa und Kind sind am Pool. Ich komme mit Baby dazu, übergebe Baby kurz dem Papa und will mich umziehen.<br />In dieser Zeit springt Kind in den Pool. Ohne Flügeli. Weil es vorher 50 Mal zehn Meter weiter rechts reingesprungen ist und es dort gut kam. Jetzt steht es zehn Meter weiter links plötzlich nicht mehr.Papa steht paralysiert da: Sohn 1 retten oder Sohn 2 auf den ultraheissen Boden legen? Kurzerhand springe ich mit samt aller Kleider in den Pool. Ende gut, alles gut.Fazit: Der Pool ist der ultimative Endgegner. Plus 10 graue Haare an diesem Tag und definitiv Zeit für einen Apero (ohne Alkohol versteht sich).<br /><br /><strong>Tag 10: Wir haben es tatsächlich geschafft</strong><br /><br />Wir sind fertig und glücklich und dankbar, und ja sogar etwas erholt. Auf jeden Fall um ein Abenteuer und viele Learnings reicher. Und vielleicht auch um die Erkenntnis, dass Freiheit mit Kindern einfach anders aussieht als vorher, nicht schlechter, nicht besser, vor allem ANDERS.<br /><br />Nachdem die Exfrau wieder im Flugzeug sitzt, geht’s zu viert weiter. Der 10 tägige Roadtrip zurück in die Schweiz beginnt...Dazu mehr noch im nächsten Blogbeitrag, hier nur so viel: Kind will partout keine Fenster schliessen, weil ihm schlecht wird. Auch bei 130 km/h auf der Autobahn. Irgendwie finde ich es lustig. Trotzdem schreibe ich einer guten Freundin:<br /><br /><strong>Wie überlebst du deine Roadtrips mit 2 Kids?</strong><br />Ihre Antwort: Wir tun ALLES, um zu überleben. Sie dürfen hören und gucken, was sie wollen und so lange sie wollen und ganz viele Süssigkeiten essen. Gut, denke ich erleichtert. Es geht allen gleich.<br /><br />Der nächste Text wird etwas philosophischer: Während wir durch Frankreich reisen, brennen die Wälder und wir müssen unsere Route umplanen: Die Welt steht Kopf und ich frage mich auf der Fahr immer wieder in welcher Welt wird mein Kind gross und ich alt werden? Gehts dir auch so? Dann ist der nächste Text, was für dich.<br /><br />Du willst meinen nächsten Blogbeitrag nicht verpassen? Schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Die Welt steht Kopf</title>
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      <pubDate>Thu, 03 Sep 2026 21:28:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Und während ich mit Kind, Kegel und Büsli durch Frankreich fahre, brennen die Wälder und ich frage mich immer wieder: In welcher Welt wird mein Kind gross?</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Die Welt steht Kopf</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3238-3565-4735-a564-343239636537/WhatsApp_Image_2026-.jpeg"/></figure><div class="t-redactor__text">Während wir in diesem Sommer mit unserem Büsli durch Frankreich reisen, brennen die Wälder und wir müssen unsere Route umplanen. Eigentlich wollten wir über die Pyrenäen und Südfrankreich nach Hause fahren, stattdessen tuckern wir nun durch unbekannte Gefilde der Dordogne entlang, die stellenweise eher einem veralgten warmen Rinnsal gleicht als einem stattlichen Fluss, der Erfrischung bietet.<br /><br />Rückblickend sind wir ziemlich dankbar, dass wir während der grössten Eskalation der Brände schon wieder zu Hause sind, gleichzeitig macht uns die Situation ziemlich nachdenklich. Wir haben zehn Tage für die Rückreise und machen je nach Campingplatz ein bis drei Nächte Halt. Es ist viel Fahren, viel Ein- und Auspacken, viel Neuorientieren und mit Kind und Baby durchaus ein Zusatzeffort, den ich manchmal etwas unterschätzt habe.<br /><br />Kaum ist alles ausgepackt, muss es schon wieder eingepackt werden, kaum weiss man, wo die Windeln sind, braucht man sie natürlich genau dort, wo sie nicht sind, kaum finden wir einen wilden Platz, wo wir über Nacht stehen können, sind wir von muhenden Kühen umringt...<br /><br />Trotzdem ist mein Abenteurerinnenherz abends meistens zufrieden. Obwohl die Müdigkeit in meinen Glieder alles umfasst, entdecken wir neue Orte, neue Geschmäcker, neue Sonnenuntergänge und finden Lösungen für neue Probleme, von denen wir morgens noch gar nicht wussten, dass wir sie haben werden. („Wo ist der Autoschlüssel?“ – „Keine Ahnung.“ – „Du hast was?! Du hast ihn in den Lüftungsschacht gesteckt?!“ Reisen mit Kindern Ahoi!)<br /><br />Ich fühle mich so lebendig wie lange nicht mehr. Das Einzige, was sich weniger lebendig als auch schon anfühlt und leider auch so aussieht, ist Mutter Natur. Alles ist trocken und wir warten sehnsüchtig auf Regen, der einfach nicht kommen mag. Das Kind träumt von Ferien in den Bergen und die sind leider gerade ziemlich weit weg. Die Landschaften sind wunderschön und gleichzeitig liegt über allem dieses Gefühl, dass etwas einfach nicht mehr stimmt.<br /><br />Die Erde siecht vor sich hin und ich frage mich: Was mache ich jetzt damit? Wegschauen? Wegignorieren? Rationalisieren? Denken, der nächste Sommer wird schon wieder anders? Hoffen, dass es irgendwie nicht so schlimm ist, wie es gerade aussieht? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht.<br /><br />Ich weiss nur, dass ich diesen Gedanken nicht mehr so einfach wegschieben kann. Eines ist klar: Die Natur braucht uns nicht. Sie kommt ziemlich gut ohne uns klar, wahrscheinlich sogar besser. Sie lebt, verändert sich und regeneriert sich. Die Erde wird uns überleben. Wir hingegen brauchen sie. Sie ist unsere Lebensgrundlage, ohne sie kommen wir nicht klar. Diesem Fakt müssen wir als Gesellschaft endlich wieder ins Auge schauen.<br /><br />Emilia Roig, deren Essay <a href="https://www.emiliaroig.com/b%C3%BCcher">Lieber Sohn oder so rettest du die Welt</a> ich auf der Reise lese, schreibt sinngemäss, dass die Erde kein passives Objekt ist, das auf unsere Hilfe angewiesen ist, sondern eine uralte, mächtige Intelligenz, die Wandel, Zerstörung und Erneuerung in sich trägt. Sie braucht uns nicht. Die eigentliche Frage sei vielmehr, ob wir lernen, uns wieder als Teil von ihr zu begreifen.<br /><br />Genau dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue und mich selbst da überhaupt nicht ausnehme, dann haben wir uns ziemlich weit von der Natur entfernt und damit meiner Ansicht nach auch immer mehr von uns selbst.<br /><br />Wir wissen oft nicht mehr, wann etwas wächst, woher unser Essen kommt oder wie sich ein Wald im Laufe der Jahreszeiten verändert. Wir haben Natur zu etwas gemacht, das wir besuchen. Wir fahren ans Meer, wenn wir Ferien brauchen, gehen in die Berge, wenn wir abschalten wollen, machen einen Spaziergang im Wald und posten vielleicht noch ein Foto davon. Dann fahren wir wieder nach Hause und machen weiter wie vorher. Die Natur ist Erlebnis, Erholung und Kulisse, aber nicht unbedingt mehr etwas, als dessen Teil wir uns begreifen.<br /><br />Wenn es uns zu viel wird, dann scrollen wir. Ich kenne das von mir. Wenn ich müde bin, überfordert oder einfach keine Lust habe, mich mit einem unangenehmen Gefühl auseinanderzusetzen, ist das Handy ziemlich schnell zur Hand und zack, sind plötzlich 30 Minuten vorbei. Es ist schon verrückt, wie gut wir darin geworden sind, uns selbst zu betäuben.<br /><br />Ich glaube, als Gesellschaft machen wir doch genau dasselbe. Wir sehen, dass Arten verschwinden, Landschaften sich verändern und Jahreszeiten sich verschieben. Wir sehen Waldbrände, Dürren, Überschwemmungen und Hitzerekorde. Gleichzeitig bröckeln auch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fundamente, auf die wir uns lange verlassen haben. Trotzdem funktionieren wir weiter. Wir arbeiten, konsumieren, organisieren, bringen unsere Kinder irgendwohin, holen sie wieder ab, gehen in die Ferien, kaufen ein und scrollen zwischendurch noch ein bisschen auf unseren Handys rum.Und ja klar irgendwie müssen wir ja funktionieren, was sonst, trotzdem glaube ich, ist es uns tief in unseren Herzen nicht egal, was mit unserer Erde passiert, sondern im Gegenteil: es geht uns sehr nahe.<br /><br />Wenn ich wirklich innehalte und wahrnehme, was gerade passiert, dann tut es verdammt weh. Nur ein Beispiel: Die Gletscher in meiner Walliser Heimat schmelzen. Sie waren für mich als Kind selbstverständlich da und werden es für mein(e) Kind(er) mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr sein. Da ist dieses eklig unangenehme Gefühl von Ohnmacht: Was soll ich als einzelne Person schon machen? Was bringt es, wenn ich mein Büsli verkaufe, während irgendwo auf der Welt riesige Mengen CO₂ ausgestossen werden? (Ich tue es trotzdem!) Was bringt es, wenn ich weniger konsumiere und versuche, nachhaltiger zu leben?<br /><br />Aus meiner Sicht liegt doch genau da ein Teil des Problems. Verluste, die keinen Raum bekommen, verschwinden nicht einfach. Sie verhärten etwas in uns. Sie können zu Ohnmacht, Wut, Müdigkeit und irgendwann eben zu Taubheit werden. Wenn ich taub werde, kann ich mich auch nicht mehr richtig verbinden, weder mit mir selber, noch mit meinem Umfeld oder der Natur. Als Gesellschaft haben wir uns  so sehr an das Funktionieren gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, wie sehr wir eigentlich berührt wären, wenn wir uns erlauben würden, wirklich hinzuschauen.<br /><br />Ich glaube deshalb nicht, dass wir noch mehr Informationen brauchen. Davon haben wir genug. Wir wissen, dass es wärmer wird. Wir wissen, dass Arten verschwinden. Wir wissen, dass unser Lebensstil Konsequenzen hat. Was uns fehlt, ist etwas anderes: Verbindung.<br /><br />Wir müssen wieder fühlen lernen. Den Schmerz, die Trauer, die Wut, aber eben auch die Schönheit. Den Regen, wenn er nach Wochen endlich kommt, das Meer, einen Wald, die Erde unter den Füssen, das Lachen unserer Kinder oder einen Sonnenuntergang, bei dem man für einen Moment vergisst, aufs Handy zu schauen. Wir müssen uns wieder mehr berühren lassen von dem, was um uns herum passiert, und ja das ist einfacher gesagt als getan. Denn natürlich schwingt da auch die Frage mit: Wie viel kann ich überhaupt ertragen, ohne dass es mich überwältigt? Weil eben irgendwie müssen wir ja trotzallem funktionieren<br /><br />Aber ich glaube schon, wenn wir uns wieder berühren lassen, werden wir handlungsfähig. Die Veränderung hat nichts mit der perfekten Lösung zu tun, sondern ist viel viel kleiner: wir schauen wieder hin, wir nehmen wieder war, was ist, wir sind traurig, über das was verloren geht, wir sind wieder Teil dieser Welt, statt nur irgendwie ausserhalb von ihr und damit irgednwie auch neben uns zu stehen. Wenn ich hinschaue, merke ich oft auch, ich bin nicht alleine damit und muss es auch nicht alleine aushalten. <br /><br />Ich weiss nicht, in welcher Welt mein Kind gross wird. Ja dieser Gedanke macht mir manchmal wirklich Angst. Ich weiss nicht, wie die Sommer aussehen werden, wenn es einmal so alt ist wie ich heute. Ich weiss aber, dass ich nicht wegschauen möchte.<br /><br />Das ist meiner kleiner Mini-Anfang: hinschauen, auch wenn es unangenehm ist. Fühlen, auch wenn es weh tut. Fragen stellen, auch wenn ich keine Antwort habe, Mensch sein, auch wenn ich mich manchmal gerade am liebsten einfach nur wegbeamen möchte ab dem Zustand der Welt. Wie geht es dir damit? <br /><br />Im nächsten Blogbeitrag geht es um eine Frage, die uns nicht loslassen sollte: Wie trauern wir um den Zustand dieser Welt und wo finden wir inmitten all dessen noch Hoffnung?  Du willst ihn nicht verpassen? 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      <title>Wo sind sie hin?</title>
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      <pubDate>Thu, 10 Sep 2026 14:51:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Über Gletscher, Verlust und die Kunst, wieder verbunden zu sein.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Wo sind sie hin?</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3330-6436-4431-a232-653831343631/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich erinnere mich gut an einen Moment, er ist etwa zwanzig Jahre her, als ich mit meiner Grossmutter auf dem Gornergrat, hoch über Zermatt, stehe. Vor uns dieses Panorama, das ich als Kind für ewig gehalten habe: 38 Viertausender, Gletscher, klarer Himmel und die Walliser Sonne. Meine Grossmutter schaut ungewöhnlich lange, ohne ein Wort zu sagen. Dann sagt sie, mehr zu sich selbst als zu mir: «Wo sind sie hin?»<br /><br />Ich verstehe zuerst nicht, was sie meint. Für mich ist alles wie immer: weisse Berge und Gletscher, mächtig und beeindruckend. Doch sie schüttelt den Kopf. «Die Gletscher konnte ich früher fast vom Dorf aus sehen. So gross waren sie und so weit reichten sie hinunter.» In ihrer Stimme liegt etwas, das ich so noch nie bemerkt habe. Sie ist damals weit über achtzig, hat Kriege (wenn auch nur am Rande), den Ausstieg aus der katholischen Kirche (und das will was heissen mit ihrem Jahrgang!), harte Winter, Familiendramen und vieles mehr erlebt. Doch in diesem Moment wirkt sie fassungslos, fast wie ein Kind.<br /><br />Ich schaue noch einmal genauer hin und versuche, alles mit ihren Augen zu sehen. Und ja, ich sehe es schon auch: graue Geröllflächen, wo früher Eis war, Linien, die zeigen, wie weit sich die Gletscher zurückgezogen haben, ausgedehnte Moränen. In mir tauchen Worte wie Klimawandel, CO₂, Industrie und globale Erwärmung auf. Doch sie klingen in diesem Moment leer.<br /><br />Wie erklärt man einer alten Frau, die ihr ganzes Leben im Rhythmus der Berge verbracht hat, dass das Eis verschwindet? Wie erklärt man menschliche Gier und Unverbundenheit? Ich finde damals keine Antwort.<br />Meine Grossmutter kehrt nie wieder auf den Gornergrat zurück. Heute spüre ich deutlich, dass ihr Fernbleiben eine Form von Trauer war, wie ein stiller Protest. Sie wollte den Ort nicht mehr sehen, weil sie den Gletscher so sehr liebte.<br /><br />Eine ähnliche Geschichte hätte ich wohl auch mit meiner anderen Grossmutter erlebt, die auf der Belalp nahe des Aletschgletschers aufgewachsen ist und ich bin sicher, dass es unzählige solcher Geschichten gibt: von Gletschern, die schmelzen, Meeren, die steigen, Wäldern, die verschwinden, die Wüste, die sich ausbreitet und Landschaften, die sich für immer verändern.<br /><br />Dieser Moment auf dem Gornergrat war für mich vielleicht das erste bewusste Erleben von ökologischem Verlust. Zahlen und Diagramme hatte ich schon vorher gekannt. Aber durch die Augen meiner Grossmutter zu sehen, wie etwas Vertrautes verschwindet, und es in meinem letzten 35 Jahren auch selber zu sehen, hat etwas in mir verändert. Ich begriff, dass Natur nicht einfach «da» ist. Selbst Berge und Gletscher, die wie Ewigkeit aussehen, sind verletzlich. <br /><br />Wenn ich heute an meine Grossmutter denke, sehe ich sie dort oben stehen: klein vor dieser gewaltigen Kulisse und gleichzeitig so klar in ihrem Blick. «Wo sind sie hin?» Diese Frage ist für mich geblieben.<br /><br />Wir brauchen eine Sprache und einen Raum für Trauer. Denn Trauer entsteht nicht nur nach dem Tod eines Menschen. Wir können auch um Orte, um Tiere, Landschaften, vergangene Lebensphasen oder Zukunftsbilder, die sich nicht erfüllen, trauern.<br /><br />Gerade in westlichen Gesellschaften fällt uns der Umgang mit Vergänglichkeit schwer. Krankheit, Alter und Tod haben wir weitgehend aus unserem Alltag verdrängt. Auf einer Reise durch Indien wurde mir das besonders bewusst. In Varanasi werden die Toten öffentlich am Ganges verbrannt. Krankheit, Alter und Sterben gehören sichtbar zum Leben. Der Tod ist nicht wegorganisiert.<br /><br />Auch in meinem Alltag begegnet mir diese Gleichzeitigkeit. Ich gehe oft mit meinem Baby über den Bremgarten Friedhof oder auf dem Areal des Inselspitals spazieren. Diese Orte sind für mich Teil des Lebens geworden und erinnern mich daran, dass Werden und Vergehen zusammengehören. Wir wissen, dass alles endlich ist und dass Wandel die einzige Konstante ist. Trotzdem fehlt uns zunehmend der Zugang zu diesem Zyklus. Wir rationalisieren Verlust, statt ihn zu spüren.<br /><br />Wenn ein Gletscher verschwindet, sprechen wir von Rückzugslinien, Kubikmetern Eis und Temperaturanstiegen. Diese Zahlen sind wichtig. Aber sie erzählen nicht, was dieser Verlust bedeutet. Für mich sind Gletscher mit meiner Grossmutter verbunden, mit meiner Kindheit, mit Heimat. Ihr Verschwinden schmerzt deshalb nicht nur. Es bedeutet Verlust.<br /><br />Wo Liebe ist, gibt es auch Trauer. Denn wenn uns nichts berühren würde, könnten wir auch nichts verlieren. Wir wären unangreifbar, aber auch unverbunden. Trauer zeigt uns doch, was uns wirklich etwas bedeutet. Sie ist deshalb für mich keine Resignation. Sie kann uns zurück in Beziehung bringen: zu einem Menschen, einem Ort, einer Landschaft oder zu dieser Welt und sie lässt uns anerkennen: Das hier ist nicht egal.<br /><br />Wenn ich um einen Gletscher trauere, sage ich damit: Dieser Ort bedeutet mir etwas. Aus diesem es bedeutet mir was, aus dieser Verbundenheit kann Verantwortung entstehen. Denn um das, was uns wirklich nahegeht, wollen wir uns kümmern.<br /><br />Darum ist die Frage meiner Grossmutter im Endeffekt für mich mehr als eine Frage nach den Gletschern. Sie fragt nach unserem Umgang mit Verlust, Schmerz und Vergänglichkeit.<br /><br />Sich damit auseinanderzusetzen bedeutet für mich nicht, sich vom Leben abzuwenden. Im Gegenteil. Es bedeutet, sich ihm wieder zuzuwenden und zu spüren, dass wir Teil eines grösseren Zusammenhangs sind. Die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit macht uns verletzlich, sicherlich, aber sie erinnert uns auch daran, dass nichts selbstverständlich ist.<br /><br />In meinem nächsten Blogbeitrag geht es um Hoffnung als Praxis und um die Frage, warum weniger zu zerstören nicht reicht und wir stattdessen lernen müssen, was Regeneration wirklich bedeutet. Ich verbinde dabei ökologische und gesellschaftliche Erschöpfung und frage, wie wir Systeme nicht nur nachhaltiger verwalten, sondern wieder lebendig, fürsorglich und zukunftsfähig machen können. Du willst meinen nächsten Blogbeitrag nicht verpassen? Schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Weniger zerstören reicht nicht</title>
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      <pubDate>Thu, 17 Sep 2026 11:38:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>über Hoffnung und Regeneration</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Weniger zerstören reicht nicht</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6661-3063-4765-b533-396537356361/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">In meinem <a href="https://revolution-studio.ch/learnhowtofly/vlyonc3y41-wo-sind-sie-hin">letzten Blogbeitrag habe ich über Trauerarbeit</a> geschrieben. Doch was kommt danach? Oder genauer gesagt: Was trägt uns mitten in der Trauer, damit wir nicht mit einem resignierten Herzen zurückbleiben? Trauer gehört für mich zum Mensch sein dazu, dennoch weiss ich auch, dass man sich darin leicht verlieren kann. Die Frage, die für mich bleibt, ist: Wie kann aus der Trauer auch wieder eine Art Hoffnung entstehen?<br /><br />Besonders berührend finde ich die Geschichte von Lior und Morris Etter, den Gründern der Schweizer NGO <a href="https://wfw.ch/#/">«Wasser für Wasser»</a>. Nach dem Tod ihres Bruders Basil suchten sie einen sinnvollen Umgang mit ihrer Trauer. Auf einer mehrmonatigen Reise im Jahr 2012 begegneten sie Menschen und ihren Lebensrealitäten. Daraus entstand die Idee, den Konsum von Wasser mit dem Zugang zu sauberem Trinkwasser für andere zu verbinden. So wurde aus ihrer Trauer eine hoffnungsvolle Vision und schliesslich «Wasser für Wasser».<br /><br />Was die beiden tun, würde die amerikanische Umweltaktivistin Joanna Macy wohl als «active hope» bezeichnen. Damit meint sie keine optimistische Erwartung, dass am Ende alles gut wird, sondern eine Haltung, die wir aktiv einnehmen können.<br /><br />Diese Hoffnung beginnt damit, und darüber habe ich in den letzten Blogbeiträgen schon mehrmals geschrieben, die Wirklichkeit anzuerkennen, ohne sie zu beschönigen, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich zu fragen: «Wofür will ich stehen?» und «Welche Welt möchte ich mitgestalten?» Daraus entsteht der nächste Schritt und dieser ist nicht, die Welt auf einmal zu retten, sondern die bewusste Hinwendung zum Kleinen und Konkreten.<br /><br />In meiner Zusammenarbeit mit «Wasser für Wasser» habe ich erlebt, wie selbstermächtigend solche kleinen Schritte sein können. Gerade angesichts so grosser und komplexer Themen wie Wasser geben uns die scheinbar unspektakulären Gesten wie etwa Handtücher im Hotel nicht täglich wechseln zu lassen oder Joghurtdeckel richtig zu trennen, einen Raum, in dem wir uns im Alltag nicht als ohnmächtig, sondern als handlungsfähig erleben. Hoffnung wird so zur Folge unseres Handelns: Wir warten nicht darauf, dass Hoffnung entsteht. Wir beginnen zu handeln und entdecken dabei, dass sie bereits da ist.<br /><br />«Active hope» bedeutet für mich deshalb nicht, den möglichen Kollaps zu leugnen. Wir schauen ihm ins Gesicht, wir bleiben aber nicht dort stehen, stattdessen wählen wir Beziehung statt Rückzug, Verantwortung statt Gleichgültigkeit und Mitgestaltung statt Resignation. Diese Art von Hoffnung beschönigt nichts, aber gerade deshalb ist sie für mich so tragfähig.<br /><br />Aber Achtung! Hoffen allein, auch wenn es aktiv ist, reicht für mich trotzdem noch nicht ganz. Denn Nachhaltigkeit ist heutzutage zwar in aller Munde, aber so oft auch zu einem glatten, verkäuflichen Mode- und Schlagwort geworden. Ehrlich gesagt: Je öfter ich dem Begriff begegne, desto müder werde ich. Nachhaltigkeit fühlt sich für mich inzwischen oft wie ein Minimum an, im Sinne von «bloss nicht noch schlimmer machen», «den Schaden verwalten», «ein paar Zertifikate kaufen oder Bäume pflanzen» und alles ist wieder gut, während das Grundprinzip gleichbleibt.<br /><br />Was aber, wenn das einfach nicht reicht? Was, wenn wir nicht nur Nachhaltigkeit brauchen, sondern auch tiefe Regeneration? Ich spüre die Dringlichkeit dieser Frage auch körperlich. Ich spüre sie in der Erschöpfung vom ständigen Konsum, vom unaufhörlichen Reagieren, Vergleichen, Produzieren und Leisten. Ich fühle und sehe dieselbe Erschöpfung auch in der Erde selbst: ausgelaugte Böden, ausgebeutete Landschaften und Systeme, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus genutzt werden.<br /><br />Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, meinen wir doch oft einfach: Wie können wir weitermachen, ohne alles zu zerstören?<br /><br />Regeneration würde aus meiner Sicht aber andere Fragen stellen: Was braucht dieses System, um wieder lebendig zu werden? Wie stellen wir das Gleichgewicht wieder her? Wie nähren wir aktiv das, was verletzt wurde oder auch wie wollen wir leben, nicht wie können wir das Schlimmste verhindern?<br /><br />In mir ist eine tiefe Sehnsucht nach Systemen und einer Gesellschaft, die nicht nur weniger zerstört, sondern bewusst Leben schützt, mit Weitsicht vorsorgt, und dem Fühlen und dem Herzen wieder mehr Raum gibt.<br /><br />Ich komme ich immer wieder zum gleichen Schluss: Weniger zerstören reicht nicht! Regeneration beginnt im Kleinen bei mir selbst. Sie beginnt in dem Moment, in dem ich aufhöre nur zu funktionieren, wo ich anfange wieder zu spüren, aber auch in den, Momenten, in denen Gespräche nicht nur bequem sind, und politischer Druck nicht nach einem Tweet auf Social Media endet. Ist das naiv, frage ich mich selber oder etwa romantisch? Ich glaube nicht. Für mich ist Regeneration eine nüchterne Notwendigkeit, denn erschöpfte Böden, erschöpfte Körper und erschöpfte Gesellschaften regenerieren sich nicht von selbst, sie brauchen bewusste Entscheidungen und den Mut, Prioritäten neu zu setzen! Wo setzt du dieses Wochenende eine bewusste Entscheidung?<br /><br />Du willst meinen nächsten Blogbeitrag zum Thema Geld erben und der Finanzwelt von der ich träume nicht verpassen? Dann schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.<br /><br />Literaturhinweis: <a href="https://www.activehope.info/the-book">Active Hope</a> by Johanna Macy <br /><br /></div>]]></turbo:content>
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      <title>Hilfe ich erbe!</title>
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      <pubDate>Wed, 23 Sep 2026 10:40:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Über mein Erben, Geld und die Finanzwelt, die ich mir wünsche</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Hilfe ich erbe!</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3965-3938-4763-a232-613963646430/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text"><strong>Hilfe, ich erbe.</strong><br /><br />«Hilfe, ich erbe.» So heisst eine aktuelle Ausstellung im Berner Generationenhaus – und ehrlich gesagt: Genau so hat es sich für mich angefühlt. Mein Bruder leitet seit rund einem Jahr unser Familienunternehmen in Zermatt in vierter Generation. Ich selbst habe einen fünfstelligen Betrag geerbt und werde in den kommenden Jahren voraussichtlich noch einiges mehr erben.<br /><br />Yes. Wie genial ist das denn? Ich bin enorm dankbar dafür und gleichzeitig sehr bewusst, dass das ein riesiges Privileg ist. Mein Erbe hat mich aber auch mit ziemlich fetten Fragezeichen konfrontiert und mich auf eine Art wachsen lassen, die ich nicht erwartet hatte: finanziell, intellektuell und vor allem persönlich.<br /><br />Welche Glaubenssätze trage ich eigentlich über Geld mit mir herum? Was bedeutete Geld in meiner Ursprungsfamilie, in der sich mein Grossvater von null etwas aufgebaut hat? Warum schäme ich mich dafür, Geld zu erben und warum reden wir in der Schweiz eigentlich so ungern darüber?<br /><br />Bei mir war die Angst gross, «posh» oder überheblich zu wirken und verurteilt zu werden nach dem Motto: Die hat es ja leicht. Die muss ja nichts. Die ist arrogant. Gerade in meinem linken Berner Umfeld hatte ich davor Respekt, was irgendwie auch total absurd ist, weil ich immer öfter merke, je mehr ich darüber rede, wie viele Menschen hier selbst geerbt haben.<br /><br />Bescheidenheit ist für mich ein wichtiger Wert, aber er bedeutet für mich auch nicht, so zu tun, als hätte man nichts bekommen, sondern bewusst damit umzugehen, was einem gegeben wurde. Deshalb breche ich in diesem Text bewusst mit meinem eigenen Schweigen. Ich glaube es ist wichtig, dass wir mehr über Erben, Geld und Privilegien sprechen müssen und gleichzeitig will ich weder meine Herkunft, noch meine Möglichkeiten verstecken, nur um ein bestimmtes Bild von mir aufrechtzuerhalten, das nicht authentisch ist.<br /><br /><strong>Was mache ich jetzt damit?</strong><br /><br />Am Anfang wollte ich mein Erbe in ein schwedisches Yogaretreat-Zentrum investieren und mir damit ein völlig neues Leben ermöglichen. Heute bin ich an einem anderen Punkt. Das Geld gibt mir gerade etwas sehr Wertvolles: Raum. Ich kann mein eigenes Business langsam und ohne existenziellen Druck aufbauen, länger Mutterschutzzeit machen machen und mir auch ein paar schöne Dinge gönnen: ein Büsli für wilde Roadtrips, das ich inzwischen wieder verkaufe, einen schönen Einbau in unserer Wohnung, ein tolles, riesiges Familien-Sofa. Ich gönne mir Dinge und gleichzeitig gibt mir das Geld Raum für die Kinder, für Engagement und dafür, grösser zu träumen.</div><div class="t-redactor__text">Aber genau daraus entsteht auch die nächste Frage: <strong>Was mache ich mit diesem Privileg?</strong> Marlene Engelhorn hat sich diese Frage radikal gestellt. Die österreichische Millionenerbin liess rund 25 Millionen Euro ihres Erbes von einem ausgelosten Bürger:innenrat an 77 Organisationen verteilen. Sie stellte damit eine Frage, die auch mich beschäftigt: Was macht man mit Geld, das man sich selbst nie erarbeitet hat?<br /><br />Ich kann dieses Geld nicht ungeschehen machen. Aber ich kann entscheiden, was damit passiert. Ich kann grosszügiger sein. Ich habe mich zum Beispiel drei Monate freiwillig für den IDG Summit in Schweden engagiert und mich in unserer Hausgemeinschaft für den Neubau eines weiteren Genossenschaftshauses eingesetzt. Ich kann mich aber auch fragen, wohin mein Geld fliesst, wenn ich es investiere.<br /><br /><strong>Mein Geld hat eine Wirkung</strong><br /><br />Gesagt, getan: Ich beschäftige mich gerade intensiv mit Investieren und nachhaltigem Anlegen. Und ehrlich gesagt: Ich bin schon wieder müde. Denn nachhaltiges, von regenerativ ganz zu schweigen, und ethisches Investieren ist erstaunlich kompliziert. Erst muss frau sich durch einen Finanzdschungel kämpfen und eine gewisse Financial Literacy aufbauen und wenn man sich dieses Wissen angeeignet hat, stellt man fest: Wirklich überzeugende Möglichkeiten sind rar.<br /><br />ESG beispielsweise ist in erster Linie ein Instrument für Risikomanagement und kein moralischer Kompass. Es misst, wie gut Unternehmen mit bestimmten Risiken umgehen, nicht, ob sie die Welt besser machen. Das bedeutet: Ein Unternehmen kann einen guten ESG-Score haben und gleichzeitig aus ethischer Perspektive höchst problematisch sein.<br /><br />Das fühlt sich für mich nach Greenwashing an. Denn Unternehmen werden häufig danach bewertet, ob sie Risiken reduzieren und nicht danach, ob ihr Geschäftsmodell grundsätzlich Teil des Problems ist und plötzlich liegt die Verantwortung wieder bei mir als Konsumentin und Anlegerin, was mich nervt aber sehr beispielhaft ist für unser System: Ich soll den «richtigen» Fonds finden, die «richtige» Aktie auswählen, mich durch 80 Seiten Nachhaltigkeitsbericht kämpfen. <strong>Sorry, aber das kann doch nicht die Lösung sein.</strong><br /><br /><strong>Anlegen ist politisch</strong><br /><br />Für mich ist deshalb klar: Anlegen ist politisch. Wenn ich einer Bank sage, dass mir Kinderarbeit, Ausbeutung, Waffenproduktion und fehlende Gleichstellung wichtig sind, bringe ich einen Wertekompass mit. Die Finanzwelt versucht solche Fragen jedoch oft in Kennzahlen zu übersetzen.<br /><br />Dabei verschwinden Moral, Machtverhältnisse und globale Ungleichheiten schnell aus dem Bild. Das Problem ist nicht nur, dass ich zu wenig weiss. Es sind auch fehlende Transparenz, Interessenkonflikte und ein Finanzsystem, das Rendite strukturell höher gewichtet als viele andere Formen von Wert. Ich glaube deshalb nicht, dass wir das Problem lösen, indem wir einfach alle individuell «nachhaltiger investieren». Wir brauchen auch andere Spielregeln.<br /><br />Es braucht mehr Transparenz. Finanzprodukte, die Menschen verstehen können, ohne Finanzexpert:innen zu sein. Investitionen, die eher Partnerschaften als reine Transaktionen sind. Was es braucht ist eine Finanzwelt, die Care-Arbeit, Reproduktion, soziale Ungleichheit und die Frage mitdenkt, <strong>wer eigentlich die Risiken trägt</strong>. Denn allzu oft tragen diese Risiken Frauen im globalen Süden, während die Renditen im globalen Norden landen.<br /><br /><strong>Und jetzt?</strong><br /><br />Ich bin nicht grundsätzlich antikapitalistisch. Die «fuck the system»-Haltung steckt definitiv in mir, aber ich glaube auch nicht an Eskapismus. Wir können uns nicht einfach aus bestehenden Systemen herausziehen und damit glauben, wir hätten sie überwunden. Wir sind Teil davon. Ich bin es auch.<br /><br />Trotzdem habe ich keine Lust, mein Kapital in ein System zu pumpen, das sich langfristig selbst die Lebensgrundlage entzieht. Ja ich möchte investieren, ja ich versuche das möglichst nachhaltigste Investment zu finden, aber gleichzeitig will ich nicht die grösste Rendite haben, wenn es auf die Kosten anderer oder unserer Welt geht<br /><br />Ein Satz, den ich aus meiner Kindheit kenne, bringt für mich etwas Wesentliches auf den Punkt: «Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.»<br /><br />Genau hier beginnt für mich die eigentliche Auseinandersetzung mit der Finanzwelt. Wir tun noch immer oft so, als wäre Natur eine unendliche Ressource und wirtschaftlicher Gewinn könne unabhängig von ihr existieren. Dabei sind wir Teil dieser Ökosysteme und vollständig von ihnen abhängig.<br /><br />Geld ist Macht. Gerade deshalb ist die Frage, wohin wir unser Geld lenken, auch eine politische Frage. Ich sehe auch <a href="https://revolution-studio.ch/learnhowtofly/9pdka1uot1-weniger-zerstren-reicht-nicht">Hoffnung</a> (über Hoffnung habe ich in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben). Es entstehen alternative Pensionskassen, feministische Venture-Fonds und Community-Finance-Projekte. Oft sind es Frauen, die diese neue Bewegung anstossen.<br /><br />Ich glaube, das eine neue Grammatik des Geldes am Entstehen ist, zu mindest hoffe ich es, lets see, was die nächsten 10 Jahre bringen. Ich träume von einer Finanzwelt, die nicht nur fragt: <strong>Wie viel Rendite bringt das?</strong><br />Sondern eben auch: <strong>Was ermöglicht es? Was erhält es? Was regeneriert es? Wem dient es? Und wer trägt die Kosten?</strong><br /><br />Ich habe darauf noch keine fertige Antwort und die muss ich sicherlich auch nicht haben. Ja ich habe geerbt. Das ist ein Privileg. Ich möchte mich dafür weder schämen noch dafür feiern lassen. Ich möchte lernen, damit umzugehen und darüber in einen Dialog zu treten.<br /><br />Du willst meinen nächsten Blogbeitrag zum Thema mein Körper nach der Geburt und wie ich mich damit fühle nicht verpassen? Dann schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/footerblog">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Oh hello sexy Mama oder Mein Körper, mein neues Terrain.</title>
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      <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 22:18:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Gedanken über meinen Körper nach der Geburt</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Oh hello sexy Mama oder Mein Körper, mein neues Terrain.</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3332-6562-4132-b238-343734633432/noroot.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich pinkle mir in die Hose.<br /><br />Dreieinhalb Monate nach der Geburt. Ich bin supermotiviert und will endlich wieder Sport machen. Also melde ich mich beim CrossFit an, spreche mich telefonisch mit der Trainerin ab und bin überzeugt: Ich bin bereit. Mental sowieso. Körperlich? Das ist gerade eine andere Geschichte.<br /><br />Körper sind etwas, das mich zutiefst interessiert. Ich finde sie spannend, aufschlussreich, wichtige Sensoren in unserem Alltag, in unserem Leben. Mit ihnen lässt sich Mutiges, Riskantes, Lustvolles anstellen. Sie verändern sich ständig, ihre Zellen erneuern sich fortlaufend und auch wir selbst verändern uns im Laufe unseres Lebens massiv.<br /><br />Gerade ein weiblicher Körper geht durch unglaublich viele Veränderungen und Rhythmen im Laufe eines Lebens. Die erste Menstruation markiert den Übergang vom Kindsein zum Frau-Sein. Danach kann das Leben ganz unterschiedliche Wege nehmen: vielleicht eine, zwei oder drei Schwangerschaften, vielleicht Egg Freezing oder IVF, Hormontherapien, Brustkrebs, ein Schwangerschaftsabbruch oder ein Kindsverlust. Es folgen Geburt, Stillen, Abpumpen und Rückbildung oder ganz andere Erfahrungen mit dem eigenen Körper. Später kommen Perimenopause und Menopause. Allesamt gewaltige körperliche Übergänge im Leben einer Frau, die den Körper verändern, fordern und manchmal auch dazu zwingen, ihn ganz neu kennenzulernen.<br /><br />Ich dachte immer, ich kenne meinen Körper gut. Viele Jahre habe ich Moving Meditations gemacht, mich mit ihm in der Sexualität, durch Körperarbeit und nach einer Rückenoperation intensiv beschäftigt. Ich habe gelernt, seine Signale wahrzunehmen und ihm zuzuhören. Aber jetzt, nach der Geburt, ist das irgendwie noch einmal eine ganz andere Nummer.<br /><br />Ich schwitze also in diesem CrossFit-Training. Eigentlich sollten die Kurse auf Mütter angepasst sein. Perfekt, denke ich. Doch schon beim Einstieg wird mir klar: Die Trainerin hat keinen Schimmer, was ein Beckenboden ist. Spätestens als ich 25 Kilo stemmen soll, ziehe ich die Reissleine.<br /><br />What the fuck? 25 Kilo?<br /><br />Ich höre ehrlich hin bei mir selbst. Mental fühle ich mich bereit, möchte mal wieder Bäume ausreissen. Körperlich aber fühle ich mich extrem unsicher. Was darf ich? Was ist okay? Wo sollte ich noch warten? Ich weiss nicht, ob ich mich in meinem eigenen Körper schon einmal so unsicher gefühlt habe. Also trainiere ich mit weniger Gewicht. Denn das Training an sich gefällt mir und nach dem Training fühle ich mich gut. Ich hab’s geschafft: ein erstes Training ohne Kind. Super!<br /><br />Am nächsten Tag pinkle ich mir in die Hose.<br /><br />Schöne Sache. Hier käme jetzt im Film dieser Einspieler, wenn etwas schiefgeht oder nicht so läuft, wie man denkt. (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=5fPRN77anmE">hier</a> reinhören)<br /><br />Die Diagnose lautet Belastungsinkontinenz. Seitdem gehe ich regelmässig ins Beckenbodentraining. Was erst einmal ziemlich unsexy klingt, ist aber richtig, richtig gut. Die Trainerin hat erst vor ein paar Monaten angefangen und ihr Angebot geht gerade durch die Decke. Was wiederum ziemlich deutlich zeigt, wie gross das Bedürfnis ist bei Frauen, egal ob älter oder jünger.<br /><br />Ich probiere ausserdem gerade ein Pessar aus, weil ich den Kleinen so oft trage. Ein Pessar ist ein kleines Wunderhilfsmittel, sozusagen ein Sport-BH für den Beckenboden und die Blase. Man führt es ähnlich wie einen Tampon oder eine Menstruationstasse vaginal ein und es kann den Beckenboden bei besonders anstrengenden Tagen entlasten. In Australien werden solche Hilfsmittel postpartum von der Krankenkasse übernommen und Frauen entsprechend informiert. Hierzulande kennen es viele Frauen kaum.<br /><br />Und genau hier wird es für mich politisch. Denn die Frage ist ja nicht nur, was mein Körper gerade braucht. Sie ist auch: Wie viel wissen wir eigentlich über weibliche Körper? Wie gut werden Frauen durch diese körperlichen Übergänge begleitet? Und was passiert, wenn ein gesundheitliches Bedürfnis zwar riesig ist, aber trotzdem lange als etwas Privates, Individuelles oder «noch nicht so schlimm» behandelt wird?<br /><br />Ach ja, liebe Schweiz: Der neue Gender Gap Report zeigt, dass wir im Vergleich zum Vorjahr zehn Plätze zurückgefallen sind. Zehn Plätze! Das klingt erst einmal nach einer abstrakten Zahl. Für mich bekommt sie gerade einen ziemlich konkreten Körper.<br /><br />Denn auch meine Gynäkologin will mir keine Beckenbodenphysiotherapie verschreiben, weil es ja «noch nicht so schlimm» sei. Dabei geht es genau um diese Lücke: Wir warten häufig, bis Beschwerden da sind, anstatt Frauen frühzeitig durch die enormen körperlichen Veränderungen zu begleiten, die sie im Laufe ihres Lebens durchmachen. Prävention wäre hier das Wort der Stunde. Nicht erst Rehabilitation, wenn bereits etwas nicht mehr funktioniert.<br /><br />Und dann ist da noch der ganz normale Wahnsinn.<br /><br />Meine Menstruation kam bereits einen Monat nach der Geburt zurück. Zuerst dachte ich noch: Jaja, das vergeht schon wieder. Nein. Ich stille und bin fruchtbar wie eh und je. Und nein, lieber Körper, ein weiteres Baby wäre jetzt gerade wirklich eine Nummer zu crazy.<br /><br />Dann die 20 Kilo plus in der Schwangerschaft: Meine Kleider von vor der Schwangerschaft passen nicht. Die aus der Schwangerschaft passen auch nicht. Es wird kälter und ich habe nichts anzuziehen. Mit Baby umgebunden shoppen zu gehen, ist ungefähr so entspannt, wie es klingt.<br /><br />Mein Bindegewebe, ach herrje. Und ich will ehrlich gesagt auch noch gar nicht wissen, wie meine Brüste nach dem Abstillen aussehen werden. Das Vakuum, das der Kleine beim Trinken produziert, ist massiv. Well, let’s go step by step, denke ich mir, und übe mich in Sanftmut und Selbstliebe.<br /><br />Denn mein Körper wird gerade so beansprucht wie selten in meinem Leben. Ich war nie Extremsportlerin und bekomme jetzt einen Hauch einer Ahnung davon. Ausser vielleicht bei meinem Kundalini-Yoga-Training bin ich selten wirklich an die Grenzen meines Körpers gegangen. Und jetzt ist da dieser kleine Mensch, der getragen, gestillt, gewiegt und herumgeschleppt werden will. Dazu kommen Schlafmangel, Hormone, Heilung, Training und dieser ziemlich absurde Anspruch, nebenbei irgendwie auch noch selbst zu funktionieren.<br /><br />Aber es gibt sie auch, diese anderen Tage. Und zwar gar nicht so selten.<br /><br />Diese Tage, an denen ich morgens mit müden Augen, weissem T-Shirt, schwarzem String und einem wunderbar gefüllten Herzen vor dem Spiegel stehe, mich anschaue und einfach nur denke: Oh hello, sexy mama.<br /><br />Oder ich gehe ohne Baby shoppen und finde Hosen, die passen. Keine Leggings. Richtige Hosen!!! Und sie sehen auch noch gut aus. Plötzlich erfinde ich mich fashiontechnisch neu als Mama und ich feiere es.<br /><br />Denn abgesehen von den Hämorrhoiden, den Rückenschmerzen und den immer mal wieder knapp am Wundsein vorbeischrammenden Nippeln, die sich mittlerweile zum Glück wieder eingependelt haben, fühle ich mich sexier denn je, vor allem weil ich weiss, wer ich bin, was mein Körper leistet und was ich brauche. Ich bin innerlich und äusserlich gereift und dafür feiere ich mich ab.<br /><br />Mein Körper: Ja, er sieht anders aus. Er fühlt sich anders an. Er kann gerade andere Dinge und andere Dinge eben noch nicht und ich muss mich daran gewöhnen.<br /><br />Der Wandel ist manchmal so anstrengend und gleichzeitig ist er eine unglaublich spannende Reise. Ich lerne, dass es nach einer Geburt gar nicht darum geht, möglichst schnell wieder zu dem Körper zurückzukehren, den man vorher hatte, weil dieser kommt so nie mehr wieder. Es geht doch eigentlich den Körper, den man jetzt hat, neu kennenzulernen und ihn ernst zu nehmen, ihm zuzuhören und herauszufinden, was er braucht.<br /><br />Mein nächster Text verhandelt Fragen von Heimat, stellt den Generationenverträge auf den Prüfstand und wagt sich dorthin, wo es unbequem werden kann: raus aus der eigenen Bubble und hinein in andere Lebenswelten. Du willst ihn nicht verpassen? 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      <title>Zwischen Bergwelt und Bubble Hopping</title>
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      <pubDate>Wed, 07 Oct 2026 22:38:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Wie wir trotz unterschiedlicher Welten miteinander im Gespräch bleiben</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Zwischen Bergwelt und Bubble Hopping</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3433-3762-4763-a563-653361366336/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich sitze auf einem grünen Liegestuhl auf der Terrasse meiner Eltern in Randa, mitten in der imposanten Walliser Bergwelt. Zwei Ehringerkühe leisten mir Gesellschaft. Hier, wo meine Vorfahr:innen einst unter härtesten Bedingungen lebten, denke ich darüber nach, wie sehr uns unsere Herkunft prägt und wie wichtig es gleichzeitig auch ist, ab und zu über sie hinauszuwachsen.<br /><br />Meine Familie kennt beide Seiten: das Leben mit dem Nötigsten und den späteren wirtschaftlichen Aufschwung durch den Tourismus in Zermatt, wo ich zwischen Bergdorfidylle, atemberaubender Natur und internationaler High Society aufgewachsen bin. Aus dem Kampf ums tägliche Überleben entstand ein Familienunternehmen, das heute in dritter Generation geführt wird. Ich bin stolz auf diese Geschichte, und konnte viel Unternehmer:innengeist mitnehmen. Gleichzeitig habe ich von dort auch einen sehr starken Leistungsgedanken mitgenommen: Sicherheit muss erarbeitet werden. Immer wieder.<br /><br />Abgesehen vom Gletscherschmelzen scheint die Welt hier oben – zumindest auf den ersten Blick – noch ziemlich in Ordnung zu sein. Dorfleben halt: Jede:r kennt jede:n (gegendert wird aber sicher nicht:)), manchmal durchaus etwas engstirnig, immer mit viel Bewusstsein für Traditionen und mindestens ebenso viel Liebe für die Berge und die alpine Flora und Fauna. Ausser für den Wolf natürlich!<br /><br />Mich hat es trotzdem schon früh hinausgezogen. Vom Wallis nach Brig ins katholische Internat, später fürs Studium nach Fribourg und Bern und immer wieder hinaus in die weite Welt und wieder zurück. Ich habe viele unterschiedliche Lebenswelten kennengelernt und mich immer wieder zwischen ihnen bewegt.<br /><br />Ich denke an die Frage von Danica Zurbriggen, einer der Walliserinnen, die mich aktuell besonders inspirieren:<br />„Geht das gleichzeitig? Traditionell und zeitgemäss sein? Die Berge lieben und visionäre Politik machen? Nostalgie mal ablegen, die eigene Kindheit nicht verklären, Gegenwart und Zukunft gestalten?“ Meine Antwort ist klar:<strong> </strong>Ja. Es muss sogar gleichzeitig gehen.<br /><br />Ich kann meine Herkunft lieben, ohne sie zu verklären. Ich kann stolz auf meine Familiengeschichte sein und trotzdem kritisch auf das schauen, was sie mir mitgegeben hat. Ich kann die Berge lieben und gleichzeitig sehen, wie ihre Gletscher verschwinden. <br /><br />Und genau darum geht es für mich: unterschiedliche Welten nicht gegeneinander ausspielen zu müssen, sondern mich zwischen ihnen bewegen zu können.Das mache ich seit zwanzig Jahren. Heute nenne ich das Bubble Hopping.<br /><br />Den Begriff habe ich 2024 an der Inner Development Conference in Stockholm kennengelernt. Bubble Hopping bedeutet, die eigene soziale und gedankliche Blase bewusst zu verlassen und sich auf andere Lebenswelten und Perspektiven einzulassen. Bei mir war das lange keine bewusste Strategie. Es war schlicht mein Leben.<br /><br />Das Wallis und Bern. Bergdorf und Stadt. Tradition und Progressivität. Konservative Männer, die den Wolf am liebsten gestern abgeschossen hätten, und meine queere, linke, ziemlich hippiesque Hipster-Bubble. Und genau diese Welten haben mich geprägt.<br /><br />Früher hätte ich manche Menschen aus der ersten Gruppe schnell abgestempelt und innerlich aus meinem Leben verbannt. Heute versuche ich zuerst zuzuhören. Weil dieses Hin- und Herspringen hat mich eines gelehrt: Menschen lassen sich selten auf ihre politische Haltung, ihre Herkunft oder ihre Meinung reduzieren.<br /><br />Ich muss die Haltung meines Gegenübers nicht gutheissen, um sie verstehen zu wollen. Aktives Zuhören bedeutet nicht Zustimmung. Es bedeutet, die eigene Reaktion für einen Moment zurückzustellen und wirklich wissen zu wollen: Warum denkst du so? Was hast du erlebt? Was treibt dich an?<br /><br />Das kann unangenehm werden. Manchmal höre ich Dinge, die mich wütend machen. Trotzdem bleibe ich möglichst im Gespräch, und klar das geht natürlich nicht immer. Man muss nicht jeden Kampf kämpfen. Aber wir müssen auch aufhören, jede Meinungsverschiedenheit sofort in einen Kampf zu verwandeln.<br /><br />Gerade in einer Gesellschaft, die immer stärker polarisiert, brauchen wir mehr Menschen, die bereit sind, ihre eigene Bubble zu verlassen. Fragen zu stellen, statt sofort zu urteilen. Zuzuhören, statt nur auf die eigene Antwort zu warten. Und ja auch auszuhalten, dass ein anderer Mensch die Welt komplett anders sehen kann als man selber.<br /><br />Als Humanistin glaube ich daran, dass Menschen mehr sind als ihre schlechteste Meinung oder ihre problematischste Handlung. Genau diesen Gedanken finde ich auch bei der deutschen Philosophin Carolin Emcke wieder: Wenn wir Handlungen betrachten, statt Menschen endgültig auf eine Zuschreibung festzulegen, bleibt Raum für Veränderung. Das ist für mich entscheidend.<br /><br />Ich will Menschen nicht auf ihre Herkunft, ihre politische Haltung oder ihre Fehler reduzieren. Ich will wissen, was sie bewegt und ich will gleichzeitig auch immer wieder den Mut finden, klar zu sagen, wo meine eigenen Grenzen liegen. Beides geht.<br /><br />Ich kann meine Herkunft lieben und trotzdem kritisch auf sie schauen. Ich kann die Berge lieben und eine andere Vorstellung von Zukunft haben. Ich kann Traditionen schätzen und trotzdem Veränderungen fordern. Ich kann mit Menschen im Gespräch bleiben, deren Meinung ich nicht teile.<br /><br />Dafür braucht es aus meiner Erfahrung vor allem Neugier, Mut und verdammt viel Übung. Aber ich will nicht zwischen meinen Bubbles wählen müssen. Ich will mich in ihnen bewegen können und immer wieder den Mut haben, die nächste zu betreten.<br /><br />Mein nächster Text geht es um Mutiges Führen in komplexen Zeiten. Du willst ihn nicht verpassen? Dann schreib dich auf meinen Newsletter direkt <a href="https://revolution-studio.ch/newsletter">hier</a> ein.</div>]]></turbo:content>
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      <title>Der Tanz mit dem Feuer</title>
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      <pubDate>Thu, 15 Oct 2026 20:49:00 +0300</pubDate>
      <author>Delia Imboden</author>
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      <description>Mutig und unvollkommen führen in komplexen Zeiten</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Der Tanz mit dem Feuer</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3466-6638-4139-b833-653463313264/Bildschirmfoto_2026-.png"/></figure><div class="t-redactor__text">«Der wahre Beruf des Menschen ist, zu sich selbst zu kommen.» — Hermann Hesse<br /><br />Eine meiner persönlichsten Erkenntnisse über Führung gewinne ich gerade als Mutter: Präsenz ist wichtiger als Kontrolle, Vertrauen wichtiger als vorgefertigte Lösungen. Ich muss nicht alles wissen oder steuern. Muttersein konfrontiert mich gerade hart mit meinem Anspruch, Dinge richtig zu machen. Aber Führung bedeutet in diesem Kontext eben nicht, die kleinen Menschen nach den eigenen Vorstellungen zu formen, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem sie sich entwickeln und ihren eigenen Weg finden können. Ich darf lernen, während ich führe, unvollkommen zu sein, und dass nicht nur privat, sondern auch beruflich.<br /><br />Dass mir das nicht immer leichtfällt, hat Geschichte. Ich stamme aus einer familiären Bubble, in der das (B)rennen für die Arbeit tief verankert ist. Dazu kommen mein langjähriger Wunsch, mich als junge Frau in einem kapitalistischen, patriarchalen System zu beweisen (heute stehe ich da an einem anderen Punkt), meine grosse Leidenschaft für vieles und meine überschäumende Lebensenergie. Eine brandgefährliche Mischung und ein stetiger Tanz mit meinem inneren Feuer, von dem ich viel gelernt habe.<br /><br />Nach meiner Matura im Wallis studiere ich in Fribourg und arbeite nebenbei viel. Bei einem internationalen Forschungsprogramm organisiere ich Konferenzen, reise nach Südosteuropa und erlebe, wie sinnstiftend Arbeit sein kann und was wir Frauen mit Mut und Stetigkeit bewegen und bewirken können (Danke Jasmina!). Gleichzeitig lerne ich mehr als einmal hierarchische Strukturen und weisse alte Männer in den Chefetagen unserer Universitäten kennen. Ich will mich beweisen, gebe Vollgas und schreddere nach meinem Bachelor knapp an einem Burnout vorbei.<br /><br />Später finde ich im Literaturhaus Zürich eine Chefin, die mich sieht, fördert und wachsen lässt (Danke Gesa!). Sie eröffnet mir neue Möglichkeiten, unterstützt mich bei Lohnverhandlungen und erkennt mein Moderationspotenzial. Irgendwann rät sie mir zu gehen, weil sie keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr für mich sieht. Das sitzt! Gleichzeitig weiss ich, dass sie recht hat.<br /><br />Ich lande in einem jungen Berner Startup: viel Kreativität, Verantwortung und Entscheidungsspielraum, aber auch 24/7-Erreichbarkeit und Unmengen an Arbeit. Als erste Teammitglieder Burnout-Symptome zeigen, die ich nur zu gut kenne, rede ich Wände und einmal mehr gegen eine männliche Leitung, diesmal gleich im Viererpack. Doch inzwischen ziehe ich rechtzeitig die Reissleine, bevor mein Körper es für mich tut. Mein Fazit: Tempo 200 ist mir definitiv zu schnell!<br /><br />Nach einer 8 monatigen Auszeit in Indien und Südostasien wechsle ich in eine Berner Agentur. Tempo 30 überfordert mich zunächst ebenfalls. Ich lerne, ein Leben neben der Arbeit zu führen – genial! Gleichzeitig merke ich, dass mein eigenes Tempo mein Team immer wieder herausfordert. Nach vier Jahren zieht es mich weiter. Als ich gehe, staune ich darüber, wie treffend Max Frisch schreibt: «Es ist erstaunlich, wie gleichgültig die Welt bleibt, wenn man sich entbehrlich macht.» Fucking erstaunlich. Und ehrlich gesagt auch ein kleiner Stich fürs Ego. Gleichzeitig eine wertvolle Lektion: Loslassen heisst auch, anzuerkennen, dass es ohne einen selbst weitergeht – und manchmal sogar Neues entstehen kann, gerade weil Raum dafür frei wird. Im Rückblick erfüllt es mich mit Freude zu sehen, was nach meinem Weggang wachsen durfte. (You Rock, Projektforum!)<br /><br />Als Geschäftsführerin von edulab Thun darf ich schliesslich mithelfen, Lernräume neu zu denken und Kinder und Jugendliche in ihren Zukunftskompetenzen zu stärken. Sofort spüre ich: Das hier ist anders. Zum ersten Mal erlebe ich, wie sich Leidenschaft, unternehmerischer Mut und Verantwortung verbinden lassen, ohne mich komplett auszulaugen. Wir geben Vollgas, ja – aber wir machen Pausen, lassen Emotionen Raum und nehmen uns Zeit, zuzuhören und das beste Timing abzuwarten. (Danke Sophie und Jonas, what a journey!)<br /><br />Hier lerne ich als Selbstständige eine andere Art des Arbeitens und Führens kennen: intensiv, aber nicht blind. Bewusst, reflektiert und menschlich. Ich beginne zu verstehen, dass Passion und Selbstfürsorge kein Widerspruch sein müssen. Es geht nicht darum, weniger zu brennen. Es geht darum, anders mit dem Feuer umzugehen.<br /><br />Diese Erfahrung verändert meinen Blick auf Führung. Ich habe viel darüber gelernt, wie sie nicht funktionieren soll, und zunehmend auch darüber, wie sie funktionieren könnte. Die Frage ist für mich längst nicht mehr, ob wir anders führen müssen, sondern wie.<br /><br />«Ring the bells that still can ring<br />Forget your perfect offering<br />There is a crack, a crack in everything<br />That's how the light gets in.»<br /><br />— Leonard Cohen, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=c8-BT6y_wYg">«Anthem»</a><br /><br />Ich glaube, die Antwort beginnt dort, wo Leonard Cohen ansetzt: im Unvollkommenen, in den Rissen und in dem, was wir nicht kontrollieren können. Die alten Bilder von Führung, geprägt von autoritären, selbstbezogenen und oft männlichen Figuren, greifen für mich echt nicht mehr. Führung darf für mich dem Ganzen dienen und sich über Verbindung, Resonanz und kollektive Intelligenz definieren.<br /><br />Mutige Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen, obwohl wir nicht wissen, ob sie zu hundert Prozent richtig sind. Denn jede Enscheidung, die wir treffen, ist besser als keine, auch wenn es manchmal Mut braucht. In einer komplexen, unberechenbaren Welt gibt es keine Masterpläne für alles. Wir experimentieren, scheitern, lernen – und daraus entsteht Neues. Kirsten Dunlop, CEO von EIT Climate-KIC, beschreibt diese Haltung als die Bereitschaft, sich immer wieder am «Edge» des Bekannten zu bewegen. Gerade bei grossen gesellschaftlichen Herausforderungen gibt es keine einfachen Lösungen. Wir müssen lernen, mit dem Nicht-Wissen umzugehen und trotzdem weiterzugehen.<br /><br />Als Leader:innen – und damit meine ich uns alle, nicht nur CEOs – müssen wir einen inneren Shift wagen: weg von «Ich weiss, was zu tun ist» hin zu «Ich spüre, was wir gemeinsam möglich machen können». Dafür müssen wir bereit sein, uns selbst infrage zu stellen.<br /><br />Unfehlbarkeit war lange die inoffizielle Jobbeschreibung von Führung: wissen, entscheiden, durchziehen. Keine Zweifel zeigen, keine Risse zulassen. Das habe ich recht lange recht gut gekonnt – zumindest nach aussen. Innen sah es anders aus. Da waren Unsicherheiten, Fragen und Überforderung. Ich tat trotzdem so, als hätte ich alles im Griff. Auch, weil ich verinnerlicht hatte, dass genau das von mir erwartet wird. Und ja, ich bin ein Kontrollfreak. Sicherheit versuche ich oft über Kontrolle herzustellen.<br /><br />Durch meine Lebenserfahrung und auch die Auseinandersetzung mit den Werken der amerikanischen Autorin und Psychologin <a href="https://brenebrown.com/about/">Brené Brown</a> begann sich mein Blick zu verändern. Die Idee, dass Verletzlichkeit keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung für echte Verbindung und Führung ist, irritierte mich zunächst und entlastete mich dann. Es ist ein Prozess, die Fassade loszulassen, Fehler nicht sofort zu erklären oder schönzureden, sondern daraus zu lernen und nach dem Motto «fail forward» weiterzugehen. Nicht immer eine schnelle Antwort parat zu haben, sondern auch einmal zu sagen: Ich weiss es gerade nicht.<br /><br />Interessanterweise fühlt sich das immer öfter stabiler an als jedes «Ich hab alles im Griff». Vielleicht, weil es echter ist und Verbindung schafft – zu mir selbst und zu anderen. Mutig führen bedeutet für mich nicht, keine Angst zu haben oder immer zu wissen, was richtig ist. Es bedeutet, mich nicht von der Angst leiten zu lassen und Dinge auszuprobieren, auch wenn ich scheitern könnte. Dabei begleitet mich die Frage: «Is it safe enough to try?»<br /><br />Ich versuche, mich ehrlich zu hinterfragen: Wo handle ich aus Überzeugung, wo aus alten Mustern? Wo aus Vertrauen, wo aus Kontrolle oder dem Bedürfnis, gemocht zu werden? Unsere inneren Anteile verschwinden nicht einfach, wenn wir sie erkennen. Bleiben Angst, Ohnmacht oder Kontrollbedürfnis unbeachtet, zeigen sie sich womöglich in Härte, Dominanz und Abgrenzung (Trump, Putin und Co Ahoi!). Unsere innere Verfassung prägt, wie wir mit Macht, Konflikten und Verantwortung umgehen.<br /><br />Darin liegt für mich auch eine gesellschaftliche Dimension. Wenn wir uns selbst nicht begegnen, tragen wir unsere ungeklärten Themen nach aussen. Innere Arbeit wird damit zu Führungsarbeit. Verletzlichkeit bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben, sondern die eigenen Unsicherheiten und blinden Flecken anzuschauen und Verantwortung für den Umgang mit ihnen zu übernehmen. Je mehr wir unsere Schatten integrieren, desto weniger projizieren wir sie unbewusst auf andere.<br /><br />Hier schliesst sich für mich auch der Kreis zum Muttersein. Auch dort kann ich nicht alles richtig machen. Ich muss lernen, Unsicherheit auszuhalten und Kontrolle loszulassen. Gerade dort, wo mir etwas besonders wichtig ist, darf ich üben, nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen zu handeln. Das gelingt mir längst nicht immer. Vielleicht geht es auch gar nicht darum, immer alles richtig zu machen, sondern hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und dazuzulernen.<br /><br />Ich bin mir näher als je zuvor. Leidenschaft bewusst zu leben, präsent zu bleiben, auch wenn es unbequem wird, und gemeinsam mit anderen zu wachsen – das bedeutet Führung heute für mich. Sie beginnt nicht erst mit einem Titel, sondern bei mir selbst und in der Art, wie ich anderen Menschen begegne.<br /><br />Meine Stärke liegt nicht darin, unangreifbar zu sein, sondern unvollkommen bleiben zu dürfen. Ich muss mein Feuer nicht löschen. Ich darf immer wieder lernen, damit umzugehen. Denn die Magie steckt in den Rissen. That's how the light gets in.<br /><br />Die Situation der Frauen in Afghanistan berührt mich gerade zu tiefst, in meinem nächsten Blog schreibe ich darüber wie ich mit der Wut und dem Schmerz und der Ohnmacht umgehe. Du willst ihn nicht verpassen? 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